Mit der Burton Step On einen Tag auf dem Stubaier Gletscher

Wir hatten die einmalige Chance die neue und revolutionäre Burton Step On live zu testen.

Wer schon etwas länger beim Snowboarden dabei ist, der kennt sicher noch die Step In Bindungen, welche Ende der 90er Jahre aufkamen. Die Idee war dabei ziemlich einfach: Anstatt ewig seinen Boot mit den Straps befestigen zu müssen, klickt man sich einfach in die Bindung und kann losfahren. Doch der Gap zwischen Wunschvorstellung und Realität war groß. Die Bindungen waren aufgrund der massiven Eisenplatte (welche als Basis fungierte) zu schwer, das Fahrgefühl bescheiden und zu 90% konnte man sie überhaupt nicht nutzen, da der Mechanismus entweder eingefroren oder mit festgetretenem Schnee blockiert war. Deshalb verschwand diese Technologie, an welcher sich übrigens mehrere namhafte Hersteller versuchten, auch wieder vom Markt.

Doch anscheinend gab Burton die Idee nicht komplett auf und arbeitete mehrere Jahre an einer neuer Version. Voller stolz wurde in diesem Jahr die Burton Step On präsentiert. Das Prinzip ist dabei gleich: Man klickt sich mit dem Boot in die Bindung und ist sofort starklar. Kein Ratschen-Ziehen, abgefrorene Finger oder nasser Hintern mehr. Drei Verbindungspunkte – zwei an den Zehen und einer an der Ferse – sorgen mit der Verbindung des Boots für den perfekten Halt. Doch wie genau funktioniert dies?

Zuerst steigt man mit dem Heel Cleat des Boots in Richtung Heel Clip in die Bindung. Im Endeffekt rastet dabei ein Haken im Boot in der dafür vorhergesehenen Stelle in der Bindung ein. Sobald dies geschehen ist ertönt als Bestätigung ein Klickgeräusch. Im nächsten Schritt rastet man die Toe Cleats an der Außen- und Innenseite des Boots durch ein leichtes Drehen des Fußes ein. Auch hier ertönt immer ein Klickgeräusch und schon ist man startklar. Klingt im Prinzip also relativ easy, doch wie funktioniert das System in der Praxis, auf über 3.000m bei wirklich eisigen Temperaturen? Um diese Frage zu klären ging es mit Burton direkt auf den Stubaier Gletscher.

Doch Burton Step On ist mehr als „nur“ eine Bindung, es ist ein System aus Boot und Bindung. Denn für den speziellen Mechanismus müssen natürlich auch die Boots passen. Diese verfügen, wie oben bereits kurz erwähnt, über drei Verbindungspunkte, mit welchen man einrastet. Zuvor schnürt man seinen Boot aber noch mit dem sog. Dual Zone Boa System, welches man vielleicht schon aus dem Laufsport von ASICS oder New Balance kennt. Der Außenschuh wird dabei oben sowie am Mittelfuß durch ein Drehen der Scheiben festgezogen. Somit ist sichergestellt, dass sich keine Schnalle und kein Schnürsenkel mehr lösen kann. Zum Lösen zieht man einfach das Boa System raus bzw. den Knopf ein paar Zentimeter nach vorne und der Schuh geht sofort auf.

Doch nach der Theorie und dem Anziehen der Boots ging es endlich auf die Piste. Für uns ein ganz besonderer Moment, denn wir sind keine Profis oder wirkliche Cracks. Das würde vielleicht der ein oder andere Blogger an dieser Stelle nun behaupten (auch wenns nicht wirklich stimmt) – doch wir sind eben ehrlich. Unser zweier Team war seit vielen Jahren nicht mehr mit dem Brett auf dem Berg und so manche Sportverletzung hat zusätzlich noch zu einer kleinen Blockade verursacht. Somit waren die ersten 2-3 Abfahrten eher ein Rantasten an die Bewegungen, die Piste, das Brett, das Burton Step On System und irgendwie auch an sich selbst. Man war sau langsam, unsicher in den Kurven und wurde wahrscheinlich selbst im Anfänger-Skikurs überholt. Doch irgendwann gewann man das Vertrauen zurück, wurde sicherer und wusste auf einmal wieder, wie eine Kurve klappt. Damit fing der Fahrspaß an, die Turns wurden schneller und man konnte sich endlich auf Step On fokussieren.

Im ersten Moment erschrickt man ein paar Mal, wenn man runterschaut und die gewohnten Straps fehlen. So ein Boot ohne Schnallen in der Bindung sieht einfach so aus als würde was fehlen. Selbst wenn es klickt denkt man sich im ersten Moment: „Moment, da fehlt doch was…“ Doch wenn man die ersten 1-2 Abfahrten gemacht hat, merkt man sofort, dass man wirklich bombenfest drinsteht. Es wackelt nix, es löst sich nix – man steht vom ersten bis zum letzten Moment wirklich enorm fest drin. Düst man von der Piste direkt zum Lift kann man mit dem Ziehen eines kleinen Hebels an der Außenseite die Verbindung lösen und den Boot relativ leicht rauslösen. Und schon ist man bereit für die zweite Runde. Selbst wenn man mal im tieferen Schnee steckenbleibt (wie wir fürs Foto z.B.) kann man die Bindung problemlos anschnallen. Mit Step In wäre dies niemals gegangen, das neue System funktioniert problemlos.

Die Boots sitzen dank dem Boa System auch wirklich genial. Selbst nach drei Stunden Spaß auf der Piste saßen sie immer noch fest. Es war nix locker, man musste nicht nachjustieren, es war einfach ein tolles Tragegefühl.

Wenn es irgendeinen Kritikpunkt gibt, dann vielleicht das Klickgeräusch. Teilweise war es beim Ausstieg am Lift doch etwas lauter, sodass man nicht genau gehört hat, ob die Ferse nun richtig eingerastet ist oder nicht. Man kann dies natürlich nochmal überprüfen, in dem man z.B. einfach aus dem Stand mit dem Brett hüpft und so das ganze Körpergewicht einsetzt. Doch selbst das hat bei uns einmal dazu geführt, dass es wohl nicht 100% eingerastet ist. Irgendwann auf halber Strecke, im nicht ganz so steilen Stück, löste sich dann beim Fahren auf der Frontside plötzlich die Ferse im hinteren Fuß. Dabei ist der Schreck wohl größer als die Konsequenz. Denn zwar löst sich die Ferse sofort raus und die Ferse steht 5-10 cm höher. Aber die beiden Fixpunkte an der Außenseite der Zehen bieten noch genug Halt, dass man locker weiterfahren kann bzw. kontrolliert bremsen und wieder einsteigen kann. Somit halb so wild, wobei der Fehler eindeutig bei uns und nicht beim System lag.

Und unser Fazit?
1. Es war toll endlich mal wieder auf dem Brett die Piste unsicher zumachen. Nach einer Eingewöhnungszeit war der Fun auch wieder da und wir konnten den Tag genießen.
2. Das Burton Step On System ist nun endlich das, was Step In vor Ewigkeiten sein wollte: Schnell, kinderleicht und stabil. Hat man sich einmal daran gewöhnt, liebt man den Moment wenn man nach dem Lift einfach seinen Boot einrastet, während alle anderen Boarder an den Schnallen „rumfummeln“ und dabei fluchen.

Von daher eine dicke Kaufempfehlung, egal welches Skilllevel man hat. Erhältlich ist das System direkt bei Burton oder Blue Tomato.

© Bilder: The Distillery | Stefan Götzelmann

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.