Dendemann – „da nich für!“ | Review

Dendemann ist mit seinem Album „da nich für!“ nach langer Pause endlich zurück.

Dende ist zurück! Acht Jahre nach der letzten Platte “vom Vintage verweht“, veröffentlicht Dendemann sein neues Studioalbum “da nich für!“ Dabei war er in unseren Augen nie wirklich weg, denn Dende alias Dendemeier war von Anfang an im Deutschrap da. Angefangen bei dem legendären Song „K2“ der Absoluten Beginner samt der kompletten Eimbush Elite über die Charterfolge mit EINS ZWO bis hin zu seinen sensationellen Live-Einlagen während NEO MAGAZIN ROYALE. Dende war immer ein Garant für exzellenten Wortwitz, Taktgefühl und politische Spitzen – verpackt in einem sympatischen Charakter.

Nun ist er also zurück und präsentiert uns 12 Tracks mit Features von Casper, den Beginnern, Trettmann und Teutilla sowie Produktionen von The Krauts (Marteria, Peter Fox), Kitschkrieg (Haiyti, Trettmann), Dexter (Fatoni, Casper), Torky Tork (Audio88), Reaf (Ssio) und I.L.L. Will (Eins Zwo). List sich auf dem Papier eigentlich hervorragend.

Direkt im Opener „Ich Dende also bin ich“ beweist der gute Mann, dass er auch mit aktuellen Trends mithalten kann. Auf einem angesagten Beat stellt sich Dendemann dem wohl teilweise neuen und noch recht jungem Publikum vor und zeigt dabei, dass moderne Hooks samt kleinem Autotune auch für ihn kein Problem darstellen. Danach überzeugt „Alle Jubilare wieder“ nicht nur mit einem entspannten Beat samt Sample von Nelly’s Dilemma Beat, sondern auch mit einem Text inkl. Casper Part über Gewohnheiten, nicht durchgezogene Projekte, Pläne für die Zukunft und einer gewissen Tagträumerei. Denn warum soll man sich stressen, wenn die Dinge eh in gewissen Zeitabständen immer wieder kommen?

„Parolen“ als nächster Song geht nicht nur vom Beat her definitiv mehr nach vorne, sondern ist auch textlich eine klare Botschaft an die politische Lage in unserem Land. Man lässt sich teilweise von holen Parolen und sinnlosen Botschaften leiten, ohne Dinge wirklich zu hinterfragen und für seine ganz eigene Meinung einzustehen. Denn den anderen blind zu folgen ist eben einfacher. Inhaltlich setzt „Müde“ hier direkt an, denn gerade durch die Medien, das Internet und Social Media wird man freiwillig und unfreiwillig überladen – mit allem. So ist man als Mensch nicht immer bereit sich gegen etwas aufzulehen, da man parallel gefühlt 1.000 andere Reize direkt nachgeschossen bekommt. Ein Gefühl, was uns wohl das ganze Leben begleiten wird. Denn was passiert dann, wenn wir alles hinnehmen? Wir werden zu Maschinen bzw. „Menschine“. Dabei wird der Mensch nur noch als Maschine nach Plan arbeiten und die anderen, wirklichen, Maschinen bedienen. Es geht nicht mehr um Selbstverwirklichung, Träume oder den eigenen Willen – der Mensch wird wieder zum Fließbandarbeiter, nur eben in der Moderne.

In „Wo ich wech bin“ widmet sich Dende seinem Ursprung auf dem Lande. Tiefergelegte VWs, Subwoofer in den Karren, Colorblocking in XXL-Klamotten und eine dazu passende Mentalität. Und egal wie weit Dende von zuhause weg ist oder wo er gerade unterwegs ist, man verliert nie komplett den Bezug zu seiner Heimat. Zurück zu politischen Inhalten führt uns „Zeitumstellung“ in eine perfekte Welt, wo jeder Mensch für Gerechtigkeit eintritt und all die Baustellen angeht. Niemand schreckt zurück, stellt sich gegen Hass und hat wieder ein Rückrat.

„BGSTRNG“ samt einem fast schon legendären Beginner Feature auf einem funky Beat samt Cuts ist eine wahre HipHop Hymne an die guten Zeiten: Beat, Bass, Rap und ein gutes Leben. Damals als Deutschrap groß wurde, am See aus der Boombox gepumpt wurde und in seinen Texten zwischen politischem Statement und Partytrack hin- und herschwang. Gefolgt wird der Track der „guten alten Zeit“ direkt mit einem angesagten Trettmann Feature auf „Littbarski“. Eine typische Tretti-Hook und ein Song über ein junges Mädels, welches sich innerlich gewzungen fühlt jeden Abend in der Stadt unterwegs zu sein und zu feiern. Denn man könnte just in dem Moment irgendwo etwas wichtiges verpassen. Auch wenn man selbst keine Lust hat oder mal eine Pause macht, so schnell wird aus einem Hobby eine Art Zwang.

Abgerundet wird das Album mit dem Titel „Nochn Gedicht“. Auf einem Piano-Beat erzählt Dende seine Einstellung zum Rapgame und seine romantische Sichtweise auf die Musik.

Am Ende bleibt zu sagen, dass Dendemann erneut seine Vielfalt beweist. Egal ob politscher Track oder Hymne an die gute, alte Zeit – er ist textlich wohl immer noch einerder besten Rapper in Deutschland. Doch irgendwie kommt uns die Sortierung der Tracklist teilweise etwas ungewohnt vor, da die musikalische Sprünge der einzelnen Songs doch streckenweise sehr stark sind und sich so kein wirklich roter Faden abzeichnet. Doch Song für Song sticht jedes Werk durch seinen individuellen Charakter hervor.

Erhältlich ist „da nich für!“ ab sofort u.a. bei Amazon, iTunes und Co.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.